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Dieser Artikel ist in der Freewriting-Methode entstanden. Ich habe zu Beginn keine Ahnung, welches Thema der Artikel behandelt. Es findet sich beim Schreiben, kristallisiert sich aus, wie wenn wir Salzwasser kochen; am Ende bleiben am Topfboden schöne Strukturen als ein Thema übrig, welches halt ausgekocht werden wollte. Kann ich doch nichts für! 

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Gestern habe ich auf Instagram in meinen Stories – mal wieder – erklärt, was Ghostfollower sind. Der Anlass war, dass ich mal wieder einen neuen Follower hatte, der ganz offensichtlich ein Fake-Account war. Einer von der Suggar-Daddy-Sorte. Grau meliertes Haar, ein gesichtsloser englischer Name (John Carter oder so), Lifestyle-Fotos auf der Yacht im Wechsel mit Kuschelporträts mit einem Hundebaby. Natürlich steht in der Bio irgendwas von „medical doctor“ oder anderer Unsinn. Wie immer habe ich ihn sofort entfernt, nicht ohne jedoch eine Bildschirmaufnahme davon zu machen und diese dann in meinen Stories zu teilen, einfach um zu erklären, was Ghostfollower sind. 

Schauen wir uns doch in diesem Blogartikel etwas ausführlicher an, warum Ghostfollower mit Hinblick auf ein Algorithmen-getriebenes System schädlich sind, wer dahinter stecken könnte und warum ihr sie immer sofort entfernen solltet. Denn Accounts wie diese sind von der Kulturwissenschaft, die sich mit Internetphänomenen beschäftigt, noch nicht erforscht. Und ihr würde der ratgebende Impuls sowieso fehlen. Weil halt Wissenschaft und so, ne. 

Aber erst einmal etwas anderes verstehen: Was ist Plattformkapitalismus?

Ghostfollower sind eine hässliche Ausgeburt des Plattformkapitalismus, so eine Art weirdes Cybertariat, eine Bot-Armee, die das ganze Mensch-Maschine-System, in dem wir leben, irgendwie inflationär unterhöhlt. Ich wünschte, der Begriff Cybertariat käme von mir, aber nee, er ist – wie der Begriff Plattformkapitalismus – von Ursula Huws. Sie ist Professorin für Arbeits- und Sozialwissenschaften an der University of Hertfordshire in Großbritannien und veröffentlichte 2014 ein sehr schlaues Buch mit dem Titel „Labor in the Global Digital Economy: The Cybertariat Comes of Age“. Doch was ist Plattformkapitalismus überhaupt? 

Plattformkapitalismus ist eine moderne Form des Kapitalismus, der aus digitalen Interaktionen ein Geschäftsmodell macht, um immer größere Anteile am Markt, immer mehr Daten und damit immer mehr Informationen über die Nutzer zu sammeln. In einem solchen Modell stellen Unternehmen wie Google, Amazon oder Meta die Plattform bereit, über die Nutzer miteinander interagieren können. Dabei erheben die Firmen oft umfangreiche Daten über die Nutzer, die sie für Werbung oder andere Geschäftsmodelle nutzen können. So weit so klar. 

Unternehmen betreiben die Plattform aber nicht nur, sondern sie fungieren auch als Vermittler zwischen Anbietern und Nutzern. Dies ermöglicht es ihnen, die Preise und Bedingungen von Transaktionen zu kontrollieren und so ihren eigenen Gewinn zu maximieren. Wer einmal verstanden hat, wie man als YouTuber:in Geld verdienen kann, weiß, wovon ich spreche. Monetarisierung lautet hier das Zauberwort. Auf Amazon beispielsweise wäre es das Affiliate Programm. Dies führt aber zu einem Ungleichgewicht zwischen denen, die Zeit und andere Ressourcen haben, Content zu produzieren und den kleineren Anbieter:innen, die ebenfalls auf diese Plattformen angewiesen sind, um ihre Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Das bedeutet, hier entsteht eine neue, digitale Form der sozialen Ungerechtigkeit. Mummy-Businesses sind ein schönes Beispiel dafür: Sie haben gegründet, weil der klassische Arbeitsmarkt sie ausgespuckt hat. Und jetzt müssen sie neben Kita, Buchhaltung und Co. auch noch Content produzieren. – So wie ich diesen Artikel, den ihr hier gerade lest. Ich würde jetzt gern auch einfach gar nichts machen? Mal so als Idee? Jedenfalls: Bei all’ der Kritik haben wir noch nicht über die Privatsphäre und die nicht vorhandene Kontrolle über die eigenen Daten gesprochen. –

Was haben Ghostfollower mit Plattformkapitalismus zu tun? 

Ganz wichtig zu verstehen: Ghostfollower sind keine Menschen, sondern von Bots betriebene Accounts, die sehr gut trainiert darin sind, menschlich zu wirken. Daher ist der Begriff auch gar nicht so verkehrt: es sind digitale Geister. Vor allem eins: Nicht echt. Diese Social-Media-Profile wurden erstellt, um zu folgen, ohne dass es sich um einen echten menschlichen Benutzer handelt. Ghostfollower kommen auf allen Social-Media-Plattformen vor und erwecken immer den Eindruck von Beliebtheit und Einfluss, indem sie eine große Anzahl von Followern vortäuschen und beliebt oder populär wirken wollen (daher auch die Yacht-Fotos oder die perfekten Haare). Doch: Was ist jetzt das Geschäftsmodell daran? 

Ganz einfach: Ghostfollower kann man kaufen, um seine eigene Followerzahl künstlich aufzublähen. Dies führt dazu, dass wir dann auch schön populär und wichtig wirken. Wäre ja eine Idee für die Mummy-Businesses, oder? Weit gefehlt, denn: DIESE ACCOUNTS INTERAGIEREN NICHT. Und dann passiert Folgendes: Wir haben eine unglaublich schlechte Engagementrate. Das ist das Verhältnis von denen, die uns folgen und denen, die mit uns interagieren. Mit Ghostfollowern kategorisiert uns der Algorithmus also nach unten und unsere organische Reichweite sinkt ins Bodenlose. „Die haben mal wieder den Algorithmus umgestellt“?! Weit gefehlt: Du hast wahrscheinlich viele Ghostfollower, die nicht mit dir interagieren. Sorry for speaking the truth. Dann wertet der Algorithmus deinen mühsam erstellten Content als nicht relevant ein und das war es dann. Follower zu kaufen ist also eine richtig dumme Idee. Sowieso Dummheit: 

Wie unsere Naivität ausgenutzt wird

Wir sind dadrauf getrimmt, viele Follower zu haben. Wer viele Follower hat, wirkt einflussreich, wichtig. Vor allem hat er eine wertvolle Ressource: Menschen, die einem folgen, weil sie einen mögen oder interessant finden. Und an diese Menschen lässt sich doch super etwas verkaufen. Das heißt: Wenn uns so ein Account folgt, denken viele: „Ich kenn den zwar nicht, aber cool, wieder ein Follower mehr.“ Und das ist einfach ein naives Denken. Denn wie gesagt: Sie schaden uns algorithmenseitig betrachtet sehr. Und wenn wir denen gar zurückfolgen würden, bekommen sie quasi menschliche Street Credits. Das Problem allerdings ist auch, dass sie verwendet werden, um Spam oder gefälschte Inhalte zu verbreiten oder um Phishing-Angriffe durchzuführen. Plattformen versuchen immer wieder, Ghostfollower zu bekämpfen, indem sie automatisierte Konten und Bots entfernen oder durch menschliche Überprüfungen ersetzen. Auch kenne ich Leute, von denen Instagram gedacht hat, sie wären ein Bot, weil sie so vielen Leuten auf einmal gefolgt sind – in der Hoffnung, dass diese Leute ihnen dann auch zurückfolgen. Ihr Konto wurde dann gesperrt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte und der Artikel will jetzt langsam ein Ende finden. 

Die Moral von der Geschicht’: Wir brauchen nicht viele Follower, sondern die richtigen. 

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Warum brauchen wir so etwas wie Sinnfluencer? https://resiresolut.de/2021/05/29/warum-brauchen-wir-so-etwas-wie-sinnfluencer/ https://resiresolut.de/2021/05/29/warum-brauchen-wir-so-etwas-wie-sinnfluencer/#respond Sat, 29 May 2021 08:40:26 +0000 http://development.resiresolut.de/?p=341 Weil es nicht darum gehen sollte, uns Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern Ideen.

Wer mich aus dem echten Leben kennt und mit mir auf Facebook und Co. befreundet ist, weiß, dass ich gerne mal einen raushaue und das immer mit meinem nerdy-geisteswissenschaftliches Naturell begründe.

Das hat mit Sicherheit damit zu tun, dass ich – Achtung, Achtung, jetzt wird’s mal kurz traurig – irgendwie kaum Freunde habe, die mit mir auf derselben Welle schwimmen. Und bevor ich diesen Zustand noch länger beklage, habe ich irgendwann die sehr erwachsene Entscheidung getroffen, mich nicht weiter zu verstellen und keinen „Ach-guck-mal-was-für-einen-schönen-Moment-ich-gerade-habe-Content“ mehr zu posten, weil der mir echt so elendig langweilig geworden ist. Also röhre ich meine Beobachtungen, Sichtweisen usw. in meistens nicht ganz so unironischer Weise heraus wie so ein einsamer Waldhirsch. In der Hoffnung, dass aus den digitalen Weiten irgendwie mal eine Antwort kommt. Und außerdem: Dieser ganze unschöne Zeitmist, den wir gerade zu ertragen haben, will ich einfach nicht zu ertragen haben und habe als kleines Zusatz-Hobby das Mitdiskutieren in den Social Media zugelegt.

Warum Geisteswissenschaftler jetzt gefragt sind und allesamt sowas wie Sinnfluencer werden sollten

Halten wir als erstes mal fest: Ziemlich viele ernste Probleme, die wir haben, können von Geisteswissenschaftlern gelöst werden. Ingenieure haben auch ihre Entwicklerprobleme, keine Frage; aber sie denken in Prozessen und Lastenheften und finden so ihre wohl geordnete Lösung, weil sie eine Methode haben, auf die sich verlassen können. Aber mal Hand auf’s Herz: Die echten Probleme sind nicht die, wie wir die E-Autos noch 50 km/h schneller, effizienter oder sonstwas entwickelt bekommen, sondern wie sich mit Hinblick auf den Klimawandel jeder eins leisten kann! Isso! Deswegen sind „im Business“ so Sachen wie Design Thinking gerade so beliebt und erleben einen Hype, obwohl das Konzept eigentlich schon sehr alt ist: Man entdeckt den Menschen neu. Und wie heißt Geisteswissenschaft auf englisch? HUMANITIES. Aus Gründen.

An alle Geisteswissenschaftler da draußen: Kommt aus euren Silos raus! Ihr habt eine Verantwortung!

Ich möchte also meinen Kollegen im Geiste für den Geiste zurufen: Kommt mal aus euren komischen Ecken heraus, auch wenn euch gerade keiner zu rufen scheint wie die ganzen IT-Nerds. Denn selbst die IT braucht uns. Denn in Netzen denken können wir auch spitzenmäßig, also kann ich auch jedem nur ans Herz legen, intensiv zu netzwerken. Das macht auch sehr viel Spaß, wenn man seine Eitelkeiten mal an der Garderobe hängen lässt und beim Verlassen des Lokals idealerweise vergisst und hängen lässt.

S’influencer auf Französisch heißt: Sich gegenseitig beeinflussen

Dies soll also ein Blog werden für Leute, die sich in irgendeiner Weise für Zeitgeist interessieren, und da die Zeit gerade echt am Umbrechen ist, sollten das alle sein, die sich nicht irgendwie für taube Nüßchen halten. Die Influencer unserer Zeit haben ein sehr vordergründiges Geschäftsmodell, was ich hier nicht weiter zu erläutern brauche. Ich stelle mir das Sinnfluencer-Dasein allerdings anders vor: Es geht nicht darum, euch Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern Ideen. S’influencer auf französisch heißt: Sich gegenseitig beeinflussen. Hier stehe ich nun, ich einsamer Waldhirsch und röhre das alles mal so hinaus in der Hoffnung, dass ihr alle fleißig mitdenkt, mitmacht und – ganz wichtig – mitlacht. Vielleicht werde ich ja irgendwann mal eine ganz große Nummer im Edutainment – würde das damit verdiente Geld lieber für die Bildung unserer Kinder spenden, denn die sollten wir auf jeden Fall beeinflussen und sie nicht den Tablets überlassen!

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Vergiss‘ Kreativität und Authentizität: Individualität ist der neue, nein: ganz alte heiße Scheiß https://resiresolut.de/2021/05/29/vergiss-kreativitaet-und-authentizitaet-individualitaet-ist-der-neue-nein-ganz-alte-heisse-scheiss/ https://resiresolut.de/2021/05/29/vergiss-kreativitaet-und-authentizitaet-individualitaet-ist-der-neue-nein-ganz-alte-heisse-scheiss/#respond Sat, 29 May 2021 08:40:08 +0000 http://development.resiresolut.de/?p=343 Was wir von Rousseau lernen können? Mit Individualität in einer oberflächlichen Welt zu bestehen. Dieser Artikel ist nicht lektoriert, inhaltlich nicht ganz rund – aber vor allem eins: individuell.
Vergiss‘ Kreativität und Authentizität: Individualität ist der neue, nein: ganz alte heiße Scheiß

Im Kopf wälze ich häufig die verschiedenen Menschen umher, mit denen ich so zu tun habe. Als Geisteswissenschaftlerin (auf englisch: HUMANITIES) tut man das sowieso, denn man kommt mit dieser Beobachtungsgabe von Menschen auf die Welt und studiert dann halt Literaturwissenschaft oder Philosophie oder sowas. Daher checke ich intuitiv, wer mir gut tut und wer nicht. Gott sei Dank werde ich so langsam erwachsen und halte Abstand von Menschen, die sich irgendwie wie ein emotionaler Trampel verhalten. Ich bin in diesem Punkt leider auch besonders resolut: Wer mich zum Beispiel auf LinkedIn einfach so markiert, nur um die Reichweite seines Posts zu erhöhen, muss schon sehr eng mit mir vernetzt sein, um nicht die ewige Ignoranz der Teresa W. zu ernten. Und weil es schon mehrmals vorgekommen ist: Nachdem ich mit Menschen einen schönen Austausch hatte, landen meine Ideen und Inhalte dann auch gern mal gern ohne weitere Nennung istgleich Würdigung auf LinkedIn als Post – oder gar als Artikel. Wenn du jemand aus meinem Netzwerk bist: Lass‘ das! Das ist echt unter aller Sau. So jung und naiv bin ich dann auch nicht mehr.

Von solchen Menschen und solchen im digitalen Raum

Ich habe für mich schon öfter festgestellt, dass es so Social-Media-Performance-Künstler gibt. Für die sind Social Media eine reine PR-Bühne: Bussi, Bussi rechts-links und dann: „Ach schöööööön, dich zu sehen!“ und das schön dann aber bitte betont lang aussprechen, ja, damit es dann noch mehr bedeutsames Gewicht bekommt. Es gibt aber auch die Leute, die betrachten Social Media als Resonanzraum, nämlich als einen Ort, wo wir aufgrund des technologischen So-Seins unsere Meinungen, Ansichten und Einsichten teilen können – und nicht nur den Bussi-Bussi-Selfie-Moment. Und dieser zweite Haufen an Menschen interessiert mich, zu denen zieht es mich hin. Interessanterweise sind das NIE Menschen, die irgendwie das fette Geld oder sonst einen Status haben. Ich glaube also, Ehrlichkeit hat definitiv mit Frust zu tun – und nicht nur mit Mut. Beziehungsweise: Je höher der Frust über diese unehrliche Welt, desto mutiger sind wir. Buy the way: Ja, kauf‘ den Weg, denn wenn wir diesen Frust verspüren und wacker bei uns bleiben, können wir auch in der Bussi-Bussi-Performance-Welt als ehrliche Menschen bestehen. Vertrau‘ also auf dein Herz! Das wissen ja sogar schon die ganzen Spiegel-Bestseller-Autoren mit romantischen Sonnenaufgängen auf dem Cover. An meine geisteswissenschaftlichen Freunde, kurzer Spoiler: Unten wird der Artikel noch etwas handfester.

JEDENFALLS: Als ich gerade sagte, dass es keine Menschen mit Status seien, die so aus tiefsten Herzen ehrlich sind: Es sind auf jeden Fall Menschen, die sich an der Welt reiben. Die viel beobachten, wahrnehmen, aufnehmen. Das sind in erster Linie Kreative, Intellektuelle, aber auch stille Beobachter, stumme Mitleser; das heißt: die Kategorisierung nach Rollen ist totaler Bullshit. Und mich interessieren Titel oder akademische Grade sowieso herzlich wenig.

So wenig wie das Alter etwas über Reife aussagt, so wenig sagen auch Titel und Herkünfte etwas über Intelligenz aus.

Teresa W. wie wer?!

Wie wir nun solche Menschen und solche erkennen: Ein Erfolgsmodell aus dem 18. Jahrhundert

Wie können wir aber die ehrlichen Menschen aus der großen Masse heraus erkennen, wahrnehmen, wertschätzen und natürlich ins persönliche Netzwerk aufnehmen, wenn es nicht nur Kreative, nicht nur Intellektuelle oder nicht nur stille Beobachter sind? Ganz einfach mithilfe einer Gemeinsamkeit, die all‘ diese Menschen haben: Individualität. Individuen sind „durch eigenes Gepräge gekennzeichnete[…] Einzelwesen„. Und ich paraphrasiere für meine Freunde der inhaltlichen Tiefe gern auch mal den Artikel „Individualismus“ aus dem Historischen Wörterbuch der Philosophie, in dem der Autor Prof. Anton Rauscher schildert, wo der Begriff herkommt (deswegen ja auch historisches Wörterbuch): Vor allem im 18. Jahrhundert in Frankreich war es total angesagt, individuell zu sein: Ist ja klar, irgendeinen Nährboden musste die Französische Revolution ja haben, denn es ist nicht unbedingt im Interesse eines absolutistischen Herrschers, das seine Untertanen irgendwie eigene Denkwege gehen. Lieber Bussi-Bussi, ne! Hach, da lacht der Hof. Daher kamen die autobiografischen Aufzeichnungen mit dem schon alles-sagenden Namen „Bekenntnisse“ von Jean-Jaques Rousseau genau richtig, die mit dem großartigen Satz losgehen:

Ich beginne ein Unternehmen, das ohne Beispiel ist und das niemand nachahmen wird. Ich will meinesgleichen einen Menschen in der ganzen Naturwahrheit zeigen, und dieser Mensch werde ich sein. Ich allein.

Jean Jaques Rousseau (große Liebe), erster Satz aus den „Bekenntnissen“, die erste Autobiografie an und für sich und überhaupt, erschienen 17hundertirgendwas

Rousseau war ja auch permanent genervt von seiner Umwelt und dem, was wir heute Mainstream nennen würden. Und so sparen die „Bekenntnisse“ aber auch gar nichts aus, schon gar nicht irgendwelche Peinlichkeiten. In diesem Sinne ist das, was Brené Brown da macht, auch nicht sooooo innovativ (dennoch wichtig, denn nicht jeder mag so alte Schinken lesen).

Rousseau wollte die „Naturwahrheit“ über alles erforschen und war dann zugegebenermaßen dann auch auf sehr seltsamen Denkpfaden unterwegs: Also Individualismus als Haltung gegen den Mainstream hat definitiv auch seine Grenzen! Das ist das, was ich meinen individuellen Freunden eigentlich auch immer beibringen will, weil es der Kern dessen ist, was ich von Goethe gelernt habe; er war wie so viele jugendliche Intellektuelle des 18. Jahrhunderts ein totaler Rousseau-Anhänger und hat aus Gründen der Naturwahrheit auch mal eine Zeitlang nur auf einem Brett geschlafen, aber irgendwann hat er dann doch erkannt, dass die Extreme irgendwie nicht so weise sind, weil du die Welt nicht dadurch veränderst, wenn du nachts auf einem Brett schläfst. Und wie natürlich alle von euch bildungsmäßig wissen, war Goethe nicht nur der einsame Dichter, sondern ein überall geschätzter Staatsmann und vor allem Forscher, vor allem Steine hatten es ihm angetan. Und Wolken. Da gab es halt noch keine Medien, die man hätte erforschen können. Die Natur war der einzige Ort, wo etwas abging, etwas, das wir heute erst wieder lernen müssen (mich eingeschlossen). Indem er aber seine Erkenntnisse mit der Masse geteilt hat, sie in Theaterstücke, Texte und Salongesprächen geteilt hat: Auf diese Weise hatten dann alle etwas davon. Und das ist der Sinn von Teilen – auch auf die heutige Social-Media-Welt übertragen.

Die Extreme oder der salonfähige Mittelweg, na was darf sein?

In Gefahr und Not, bringt der Mittelweg den Tod. Und mit diesem Satz könnte ich den ganzen Absatz hier auch schon dicht machen. Na gut, ein bisschen Schlaumeierei geht noch. Wer es bis hierher geschafft hat: Glückwunsch, du bist noch in der Lage, längere Texte zu erfassen. Und da sind wir auch schon mitten im Schmerz, mitten in der Gefahr und mitten in der Not: Die Social Media Welt ist ein so gesellschaftliches Glatteis mit so vielen Augen der Anderen, so viel gefühlter Kontrolle, Paranoia und was weiß ich, dass sie uns ernsthaft krank machen können – wenn wir nicht den Mut haben, mit unserer Individualität aufzutreten und mit unseren echten, eigenen Handlungsmotiven sichtbar zu sein. Ihr habt also die Wahl: Entweder ihr macht bei dem ganzen oberflächlichen Zirkus mit, dann aber bitte das Bussi-Bussi nicht vergessen, oder ihr nehmt euer krankes Herz ernst und seid in dem digitalen Raum als ihr selbst unterwegs. ich zum Beispiel schreibe gerne witzig-wertschätzende Kommentare, like auch mal das Bild von Tante Gabi (auch wenn es ein Grafik-Design-Unfall ist), teile Beiträge von NGO’s oder irgendwie kluge Gedanken und konsumiere vor allem kaum Influencer-Scheiß. Denn wie ihr wisst: Ich bin Sinnfluencer. Ich ziehe euch nicht das Geld aus den Taschen, sondern Ideen.

Und so kommt zum guten Ende / alles unter einen Hut / und ist das nötige Geld vorhanden / ist das Ende meistens gut!

Schlussverse der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht

„Ich beginne ein Unternehmen“, schreibt Rousseau am Anfang seiner Memoiren – aha!, sagt dann Teresa, denn da haben wir gleich eine gedankliche Brücke hin zu den Unternehmungen der heutigen Gründer geschlagen. Ich finde also, alle Gründer:innen sollten Rousseau lesen. Und wenn ihnen 250 Jahre alte Literatur einfach einen Ticken zu alt ist, dann halt Resi. Die Inhalte sind 100 Prozent dieselben. Und ich verweise an dieser Stelle wieder auf den Umstand: Der Mensch hat alles schon einmal gewusst! ALLES! So, und jetzt Schluss mit Frust.

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Die geheime Schattenseite der Kreativität https://resiresolut.de/2021/05/29/die-geheime-schattenseite-der-kreativitaet/ https://resiresolut.de/2021/05/29/die-geheime-schattenseite-der-kreativitaet/#respond Sat, 29 May 2021 08:39:32 +0000 http://development.resiresolut.de/?p=348 Kreativität ist in Zeiten der Digitalisierung das Gebot der Stunde. Dann hört aber auch bitte den Kreativen zu – und nehmt an, was sie über die Schattenseiten zu berichten haben. Die eigentlich keine sind.
Die geheime Schattenseite der Kreativität

Ok, so geheim ist sie auch nicht, zumindest nicht, wenn man selbst Kreative:r ist. Aber die, die es sind, kennen es, nur das kaum jemand darüber spricht: Kreative Gehirne haben nie Pause. Sie sind immer am auf- und wahrnehmen. IMMER.
Kreativität ist eigentlich meine Superpower. Ich kann mich unglaublich schnell in ganz nerdige Themen eindenken, diese weiterentwickeln, Zusammenhänge zu anderen Themen herstellen und sowieso: Ich kann vor dem Hintergrund superschnell und ich finde auch supergut das Gedachte zur Darstellung bringen-ist-gleich texten oder sonst wie klar ausrollen. Ich bin sehr leicht zu begeistern und wenn ich es bin, bin ich auch begeisternd.

Aber das Problem ist: Es gibt immer etwas zu analysieren, umzuformen, in ein Narrativ zu übertragen. Alles wird zu verwertbarem Content. Deswegen sind mir die ganzen Contentstrategie-Tipps auf Instagram ein völliges Rätsel, die Antwort auf die Frage geben sollen, was man denn nur posten soll. Bei mir: Was soll ich NICHT posten? Oder: Wann soll ich das alles nur posten, was in meinem Kopf ist? Gibt es virtuelle Assistenten, die da hineinschauen können, ja? Wo sind sie? Bitte melden!

Ein Gespräch wird Content.
Eine Enttäuschung wird Content.
Ein Film wird Content.
Alles wird Content, selbst das Darüber-Sprechen, wie etwas Content wird, wird Content.


Mein persönliches Leid mit Kreativität aus der jüngeren Vergangenheit


Lange Zeit durfte ich nicht kreativ sein. Darüber spreche ich jetzt nicht, sonst artet es wieder völlig aus, aber das frei-über-alle-Häusderdächer-Fliegen lerne ich erst seit gut einem Jahr kennen, seit dem ich in der Selbstständigkeit bin. Ich kam da gerade aus einer Phase in meinem Leben, wo mir an den Kopf geworfen wurde: „Na Teresa du bist halt ein ziemlich Hoppla-hopp-da-bin-ich-Typ.“ In dem Moment war es die Begründung einer Kündigung, aber ich wäre keine Kreative, wenn ich es nicht für mich nicht von der guten Seite gesehen hätte. Ein Hoppla-Hopp-da-bin-ich-Typ also, aha. Das ist doch spitze! – Wie ich mir also abgewöhnt habe, mich wegen dem Neid anderer Menschen schlecht zu fühlen. Und ja verdammt, ich habe schon viele Menschen deswegen verloren. „Na du bist halt ein verrückter Professor, da kommt nicht jeder mit.“ Ich kann es halt nicht ändern.



Mein persönliches Leid mit Kreativität aus der allerjüngsten Vergangenheit


Ich könnte den ganzen Tag über Kreativität sprechen. Als ich drei Jahre alt war, sah ich im Fernsehen eine Doku über eine Künstlerin, die auf Ostfriesland lebt, die ist mit ihrem Walhalla-Schal so über den stürmischen Deich gelaufen und dann in ihr windschiefes kleines Haus eingekehrt, wo sie erstmal Tee gekocht und dann Aquarell gemalt hat. Ich habe die Bilder immer noch sehr genau im Kopf und wollte seit genau diesem Tag auch Künstlerin werden. Ich habe das durchgezogen, bis ich 18 war, habe erst gelitten und dann gemalt, gezeichnet, gesungen… So kreative Overflows haben mich also meine gesamte Kindheit und Jugend begleitet. Dann wollte ich Design studieren und bin zu einem Mappenberatungsgespräch in Hildesheim gefahren. Der Professor sagte in Anbetracht meiner Zeichnungen wortwörtlich zu mir: „Also junges Fräulein, handwerkliches Talent haben sie, keine Frage. Aber sie reiben sich nicht an der Welt, sie sind kein Künstler.“ Boom, das war’s dann fürs erste. Hier gibt es auch noch viel aufzuarbeiten, aber an einem anderen Tag. Ich werde das jetzt massiv abkürzen, weil ich keine Zeit habe, aber bevor der Artikel wieder nur ein Entwurf bleibt: Mir ist bisher kaum etwas eingefallen, wie ich solche Overflows in den Griff bekomme. Auf Instagram habe ich mich mit einem Abschnitte einer Rede von Philipp Amthor – mit 25 gestorben, um mit 90 begraben zu werden – schon über mich selbst lustig gemacht und mache das eh ständig. Das ist wirklich etwas heilsam, vor allem, wenn es andere auch lustig finden.



Wie Kreativität in den Griff zu kriegen sei. Nicht.

Ich weiß einfach nicht, wie ich das in den Griff bekommen soll. Selbst kritische Stimmen in mir selbst haben nie viel zu melden und sind nur ganz fein kalibrierte Korrektiv-Dienstleister im Einsatz für den Perfektionismus (der inzwischen aber auch nicht mehr auf der Prioritäten-Liste ganz oben steht, da ist einfach zu viel, was raus will). Wir sehen: Echte Kreativität bringt viele Probleme mit sich. Kreative Menschen offensichtlich auch. Sie stören die Ruhe, Prozesse, Routinen, Absprachen. Oh man. Sie brauchen definitiv Unterstützer, die sie so nehmen wie sie sind und ihnen ihre Freiheiten lassen.



Wie Kreativität funktioniert


Kreativität muss übrigens nichts mit Farben und Gestaltung im weitesten Sinn zu tun haben. Kreativ ist auch, wer immer einen Weg findet, egal, wie groß die Widerstände sind. Gangster zum Beispiel sind sehr kreative Menschen. Kreativ ist, wer Lob und Anerkennung innerlich müde weglächelt, weil: Du musstest es halt tun, sonst hättest du dich selbst unglücklich gemacht. Kreativität ist vor dem Hinterrund auch eine sehr egoistische Angelegenheit. Ja, ist es. Und wenn ich die ganzen Design-Thinking-wir-müssen-im-Business-kreativer-denken höre, kann ich manchmal nur mit den Augen rollen, denn das Prinzip von Kreativität ist einfach ein völlig anderes. Wo das Wort „müssen“ auftaucht, ist es vorbei. Das ist auch aus meinem Wortschatz gestrichen. Wenn jemand zu mir sagt: „Teresa, du musst das und das tun!“ oder „Teresa, du musst unbedingt ruhiger/fokussierter/oder sonst was werden!“, dann hat diese Person bei mir mindestens an Relevanz für mich verloren. Das sind Menschen, die dich kleiner halten oder dich sonst wie bändigen wollen. Das geht nicht. Ausbremsen ist der Tod. Kreativität hat mit absoluter Wildheit zu tun, sich auch Dinge erlauben zu denken, die die Formallogik, die Physik oder die Moralphilosophie ausschließt. Denken kann man es immer erstmal. Es ist halt nur kreuzgefährlich. ABER: Dafür lobe ich mir das Konzept des Teams. Das Team ist immer ein gutes Korrektiv, aber das muss ein sehr diverses Team sein. Am besten, man hat auch so einen Steuerberater-Typen dabei. Aber der muss diese Wildheit mindestens begrüßen und allerwenigstens amüsant beobachten, bis er dann auch mal etwas Wichtiges beizutragen hat.

Das ist meine ideale Vorstellung vom kreativen Arbeiten, Denken, Fühlen, Leben, Zukunft-Gestalten. In dem wohlwollenden Aufpassen des Steuerberaters und dem wohlwollenden Akzeptieren desselben auf der anderen Seite. Das, und nur das.

Bitteschön.

Wilde Grüße von der Tastatur, die gerade sehr gelitten hat. Danke liebe Tastatur.

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In Goethes Fußspuren – Italien, aber erst über die Alpen | September 2020 https://resiresolut.de/2021/05/29/in-goethes-fussspuren-italien-aber-erst-ueber-die-alpen-september-2020/ https://resiresolut.de/2021/05/29/in-goethes-fussspuren-italien-aber-erst-ueber-die-alpen-september-2020/#respond Sat, 29 May 2021 08:27:57 +0000 http://development.resiresolut.de/?p=346 In Goethes Fußspuren – Italien, aber erst über die Alpen | September 2020

Kärnten klingt wie Käsefuß, tatsächlich klingen hier aber die Kuhglocken so vor sich hin und die Luft ist so klar wie die Einsicht, dass hier eben nicht alles Käsefuß ist. Denn eigentlich bin ich eher der Meertyp, weil ich es traumhaft finde, in die unendlichen Weiten zu sehen und vom salzigen Meerwind bis in die letzte Seelenfaser durchgepustet zu werden und Klarheit zu gewinnen. Wir merken: Teresa steht auf Klarheit. Ich empfand Berge immer als Drohkulissen und erzählte mir immer dieses harte Narrativ, dass die Menschen in den Tälern auch nur ein Tal weit sehen und vielleicht auch nur denken können und ja, ihr seht: Ich habe eine komplette Vollmeise. Aber so konstruiert sich halt jeder seine Wahrheit zurecht und es ist nur jedem zu raten, diese seine Wahrheiten regelmäßig zu überprüfen und festzustellen, wie doof man gewesen ist. Wir merken: Teresa steht wirklich auf Klarheit. Mein Problem mit der Bergwelt fassen wir also mal in der kommenden Überschrift so zusammen:

Bergwelt: Drohkulisse und talweites Denken

Ich bin sehr doof gewesen, was die Bergwelt betrifft. Das möchte ich in diesem Urlaub sehend verstehen, davon erzählen und die Eindrücke so beschreiben, dass vielleicht auch der ein oder andere Meertyp mal eine sehende Auszeit hier wagt. Ich will meine Einsichten also veranschaulichen und sie zur Darstellung bringen. Der geneigte literaturwissenschaftlich begabte Mensch unter uns würde das sofort als Literatur erkennen, denn etwas mit Worten zur Darstellung zu bringen, was keine wissenschaftlich-erklärende Absicht hat, ist halt Literatur. Daher wird es hier wenig Fakten geben aber sehr viel Werte, weil ich ja eh‘ Storyteller bin und so. Also wo wir gerade beim Thema Werte sind: Wir als Fremde müssen nicht gleich das rotkarierte Karohemd tragen und uns ganz einheimisch fühlen. Wir können schon der Snob bleiben, der wir halt sind, aber die Wertewelt in dieser Bergwelt sollten wir schon ganz bewusst mit einem wirklich sehenden Auge betrachten um einfach zu lernen, denn:

Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert.

Goethe, der alte Rembizembi.

Kommen wir also zu Teresas Goethe-Meise

Ich bin ein ziemlich große Freundin von Goethe. Er steht in meinem Regal als Büste vor der Gesamtausgabe, die ich mir von meinem Stipendiengeld geleistet hatte. Goethe war ein ziemlicher Fuchs: Viele kennen ihn immer nur als Dichter oder stellen sich ihn klischeemäßig auch mal als rotweindichten Denker vor, aber er war auch Entdecker. Und damit kann ich mich einfach sehr gut identifizieren. Ok, ich drehe jetzt nicht jeden Stein um, aber ich verstehe die Welt am liebsten, indem ich mich in fremde Welten stürze. So, und deswegen ist Goethe im Regal mein Sidekick wie einst Herbert Feuerstein bei Harald Schmidt. Er korrigiert mich, stellt mich bloß, macht sich lustig über mich. Ich kann es ihm nicht übel nehmen, denn meistens hat er recht. Wer an dieser Stelle denkt, dass ich wirklich eine Meise habe, kann sich das Ganze auf Instagram ansehen, denn in den Stories gebe ich meine zeitgeschichtlichen Beobachtungen ziemlich selbstironisch und ein bisschen Barbara-Schöneberger-mäßig zum Besten und ja, wie gesagt: Goethe kommentiert. Das ganze sieht dann so aus: 

Goethe war in Kärnten. Nicht. 

Jedenfalls war Goethe hier nicht, der ist über den Brenner. Wir sind an München und Salzburg vorbei und dann eher so von links her in die Karte reingeschlichen gekommen. Es ist Anfang September, das Jahr war wegen Corona für viele Menschen echt beschissen und nun ist es nochmal schön gewesen. Da holen viele männliche Menschen mindestens mittleren Alters ihren Silberfeil nochmal heraus und schleichen über die Landstraßen so vor sich hin während die Damen auf dem Beifahrersitz dann alle einen Strohhut aufhaben und ihn natürlich mit dem NICHT selbst angemalten Seidenschal festbinden. Nein, der Seidenschal ist natürlich von Hermès oder Chanel und ich kann ihnen das nicht mal übel nehmen, hätte ja selbst gern einen. Das sind jedenfalls die Eindrücke der Herfahrt gewesen. Die Eindrücke des Hofes, auf dem wir jetzt eine Woche wohnen, haue ich einfach in eine Bildergalerie (wäre doch viel zu langweilig hier zu beschreiben: Am Abend der Ankunft entdeckten wir erst einmal den Hof. No Shit! Erzähl‘ nicht!)

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Der Abschied vom Ego: Authentisch, weil achtsam im digitalen Raum https://resiresolut.de/2021/05/29/der-abschied-vom-ego-authentisch-weil-achtsam-im-digitalen-raum/ https://resiresolut.de/2021/05/29/der-abschied-vom-ego-authentisch-weil-achtsam-im-digitalen-raum/#respond Sat, 29 May 2021 08:26:10 +0000 http://development.resiresolut.de/?p=329 Der Abschied vom Ego: Authentisch, weil achtsam im digitalen Raum

Im digitalen Raum sind wir in einer reinen Ego-Manie-Sales-Maschinerie gefangen. Sales allein sind schon nicht achtsam. Wobei: Sie achten schon etwas, nämlich auf die Conversion Rate, auf Klicks und Kram, vor allem aber aufs Geld. Nun findet soziale Interaktion spätestens seit diesem Jahr ausschließlich im digitalen Raum statt. Gerade jetzt wäre Achtsamkeit das Gebot der Stunde. „Aber Teresa,“ ruft ihr jetzt, „was hast du denn? Es gibt doch megagute Angebote zum Thema Achtsamkeit! Das ist ja das Trend-Thema!“– „Eben,“ antworte ich euch dann, „eben.“ Und dann verweise ich euch auf diesen Artikel, der wie folgt weitergeht: Es gibt einen ganzen Heuschreckenschwarm, der sich über die Theorie zu diesem Thema hermacht. Und wer sich mit dem folgenden Satz identifiziert, ist selbst Schuld: Hier lockt halt gerade das schnelle Geld wie ein schönes saftiges Grün. Aber ich halte diesen ganzen Heilsversprechen-Content für geradezu gefährlich – und ja, auch in diesem bekloppten Jahr, wo sich alle nach Seelenthemen sehnen. Es sind aber immer nur Quick-Mindfullness-Hacks: Eine Yogaübung hier, ein Meditation da und sowieso: Morgenrituale, ganz wichtig, Leute. Natürlich mit kalter Dusche, damit ich dann einen klaren Kopf bekomme. Und wenn das alles nicht hilft, dann buche halt für nur 2999,- Euro drei Tage meinen Yoga-Retreat. Ach Corona, na gut, dann halt meinen Kurs für nur 345,- Euro, Workbook inklusive, na klar.

Auch ohne Corona: Vergiss‘ Ibiza. Und die sozialen Medien gleich mit

Vergiss‘ zumindest die marketingoptimierte glatt gelutschte Seite. Ibiza ist schön, dort am Strand weise in die Ferne zu blicken ist es auch und die sozialen Medien, ja, die können auch echt Spaß machen. Aber mal ehrlich: 2020 hatte es sehr in sich. So sehr, dass wir diese glatt gelutschte Seite echt nicht gebrauchen können. Wir wurden alle ziemlich gebeutelt – und ich spare mir hier eine Aufzählung, wer genau welche Konsequenzen tragen musste. Ich schreibe lieber formal dichte Texte, auch wenn sie inhaltlich nicht ganz dicht sein mögen. Nur ich bin halt wie das kleine Kind in dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ und sage häufig: „Aber der hat ja gar nichts an!“ – Entzaubern kann ich also sehr gut und gehe dieser Beschäftigung am Intensivsten in meinen Instagram-Stories nach. Das Entzaubern von irgendwelchen Glaubenssätzen oder Buzzwörtern – und sowieso allem, was fake ist – ist mein persönlicher Beitrag, den ich als Geisteswissenschaftlerin einfach leisten muss, um damit am Ende eine Lösung aus dem Hut zu zaubern, die den Menschen wirklich hilft. Und die ist meistens nicht glattgelutscht. Das Kind in dem Märchen meint es schließlich auch nicht böse. ☞ Als Spoiler: Es geht mir in diesem Artikel NICHT um ein Bashing des Themas Achtsamkeit, sondern um die fragwürdigen Geschäftsmodelle, die damit betrieben werden. Hier ein Meme, welches ich der Anschaulichkeit zuliebe gebastelt habe:

Die Entzauberung der Achtsamkeit nach Art des Hauses

Es gibt also einen Haufen Menschen (Trainer, Therapeuten, Organsisationsentwickler, mentale Gesundheitsexperten und Berater), die mit Achtsamkeit gerade ihr Geld verdienen. Oder eben damit, dass es uns armen modernen Menschen in unserem bis zur perfekten Instagram-Schönheit optimierten Zuhause einfach zu gut geht. Ich kann aber diese ganzen Zitate und Glücksversprechen auf Instagram einfach nicht mehr ertragen, ich sag’s euch. Und auch wer so etwas (re-) produziert, kann sich auch nicht von Luft und Liebe ernähren, auch wenn diese Person uns das immer glaubhaft machen will. Gehen wir also mal einen logischen Denkweg, gemeinsam. Bei meinem Vertriebsmentor Max (genannt: Mentor Max) habe ich folgende Unterscheidung gelernt: Es gibt zwei Arten von Marketing: Branding oder Conversion. Conversion ist alles aus dem Zaubertrick-Kiste des Vertriebs: Künstliche Verknappung, Angebote, Preisvorteile, Call-to-Actions (CTA). Klick‘ hier, kaufe jetzt. Aber im Ernst? Ich finde das schlimm, weil es auf den Menschen einen Druck ausübt und definitiv NICHT vertrauenserweckend ist. Dabei ist es so leicht, die Herzen der Menschen zu gewinnen: Sei einfach verdammt noch mal ehrlich zu dir und zu den anderen – der Weltfrieden könnte so einfach sein.

Einseitigkeit als Glücksfall und Gefahr

Es gibt im Leben nie das eine OHNE das andere. Das ist das einfachste und langweiligste Prinzip der Welt, aber auch das wichtigste. Leben geht nicht ohne Tod, Liebe nicht ohne Hass, schwarz nicht ohne weiß. Geisteswissenschaftler kennen übrigens noch mehr ultimative Gegensätze. Wenn wir von einer Sache das Gegenteil verstanden haben, haben wir sie selbst schon ziemlich gut verstanden. Und von daher finde ich den Laura-Maria-Seiler-oder-wie-die-heißt-Achtsamkeits-Trend mehr als gefährlich: Weil Achtsamkeit einseitig gepredigt wird und wir gar nicht kapieren, was Achtsamkeit überhaupt ist. Und der Oberwitz: Letzten Endes ist es eine riesige Geldmaschine, genauso wie Tobias Beck oder wie die ganzen selbst ernannten Coaches alle so heißen. Es geht nur um Sales. Wir kauftauschen ein gutes Gefühl gegen ein schlechtes, welches uns vorher (auch noch via Storytelling!) gemacht wurde. Das Allerschlimmste: Das ist nicht nur kauftauschen, sondern auch kaufrauschen. Die Industrie hat es schon immer verstanden, die Menschen in einer schwierigen Lage sittenwidrig in ihre Abhängigkeit zu bringen. Das ist wie Labello, der Stoffe enthält, die die Lippen langfristig austrocknen und schon müssen wir einen neuen kaufen.

Achtsamkeit ist an sich etwas Grandioses

Achtsamkeit ist das Gebot der Stunde, keine Frage. Auch hier will ich mir die Aufzählung sparen, denn dass das rücksichtslose Verhalten des Menschen den Globus ziemlich zugrunde richtet, haben wir alle schon verstanden, oder? Der Partner in Crime von Achtsamkeit ist Nachhaltigkeit und beide bilden zusammen mit ihren Kindern veganer Ernährung, Verzicht auf Konsum und sowieso auf alle Produkte des Turbokapitalismus eine friedvolle Familie. Ich stelle sie allein aus ironischen Gründen mal als eine Sitzprotest-Gruppe dar, die früher mal Gitarre gespielt und sich dann träumerisch in den sanften Wellen eines korallefarbenen Meeresglühen gewiegt haben. Mit Lagerfeuer am Strand, klar. Wer das jetzt fies findet, hat sich den Instagram von Laura Malina (aha) Seiler noch nicht angesehen. Zum Mitschreiben: Ich will auch achtsam und nachhaltig leben und bin da auch sehr resolut, glaubt mir das bitte. Noch einmal: Meine Kritik richtet sich gegen die einseitige, rein auf Verkauf-orientierte Kommunikation von Menschen, die sich irgendwann mal wachgeküsst gefühlt haben und jetzt auf einer dubiosen Mission sind – nämlich mit wenig Aufwand viel Geld verdienen. Oder noch konkreter: Meine Kritik richtet sich gegen Unprofessionalität im weitesten Sinn, die sich hinter einem riesigen Social-Media-Marketing-Heiopei versteckt und letzten Endes mit der leichten Verführbarkeit der Menschen Geld machen will.

Warum ich mich 2021 mehr mit dem Thema beschäftigen werde – und vor allem wie

Eine meiner Jahreshighlights 2020 ist die Verbindung zu Stefanie, die inzwischen zu einer Freundschaft gewachsen ist. Stefanie ist Coach und alle, die jetzt die Augen rollen: Sie ist kein Sales-Coach und dafür liebe ich sie. Wir beide schenken den Menschen Klarheit und Orientierung, und ja, als Kunde kann die Zusammenarbeit mit uns ziemlich intensiv werden. Keine Happy-me-time in pfirsich-farbenen Beigetönen (im Englischen gibt es gar einen Spruch: „Everything is just peachy.“) Nein, Stefanie und ich bauen unsere berufliche Partnerschaft von gemeinsamen Projekt zu gemeinsamen Projekt immer mehr aus und haben irgendwann festgestellt: Wir sind an dem Menschen interessiert, der vor uns sitzt und weder an seiner Rolle in der Welt noch an seinen Rollen an Geld. – Sondern ausschließlich an der Person, die übrig bleibt, wenn wir die häufig in den sozialen Medien erschaffene Figur mal höflich zur Seite treten lassen. So arbeiten wir jedenfalls nicht:

Über Real Deals im Thema Achtsamkeit und Storytelling

Das Tolle an Stefanie und mir: Wir sind beide für unsere jeweiligen Bereiche extremst qualifiziert. Stefanie ist als Coach ICF-zertifiziert und macht regelmäßige Aus- und Weiterbildungen, mit Supervision und Co. Achtsamkeit heißt bei Stefanie eine ewig lange Praxis in Yoga und Mediation (auch in Indien) und eine mehrjährige Ausbildung auf einer neurowissenschaftlichen Basis als Trainerin für Achtsamkeit in Organisationen; außerdem macht sie Weiterbildungen am Presencing Institute des MIT– das ist schon das Hogwarts der Achtsamkeit! Ist so! Und ich bin in Storytelling sehr qualifiziert, weil ich 12 Semester Literaturwissenschaft studiert habe und weiß, wie und warum Literatur wertende Kommunikation über Werte ist (Definition meines kürzlich verstorbenen Professor Willems). Und ich weiß von der Pike auf, wie Geschichten funktionieren. Da ist echtes Wissen sehr hilfreich, was Plots und Narrative sind. Was Korrektive sind. Warum uns manche Dinge berühren und warum manche nicht. Woran wir inhaltlichen Müll in einer schönen Verpackung erkennen.

Und wir beide sind mit allen Wassern gewaschen: Sie hat jahrelang im Konzern (Bosch) gearbeitet und ich im Agenturwesen, wo ich Storytelling schon immer angewendet habe. Wir beide haben uns an einem Punkt im Leben gefunden, an dem etwas verändern wollten. It’s a match!

Was Stefanie und ich eigentlich tun

Stefanie hilft den Menschen herauszufinden, wer sie überhaupt sind und was sie ausmacht. Sie arbeitet mit den individuellen und tief gehenden Fragen und Methoden, die schon ordentlich in der Seele herumrühren und Verborgendes herausbrechen, nämlich das Potential des Einzelnen zu aktivieren. Die Basis aller Selbsterkenntnis bilden unsere Werte. Der Coachee ist immer der Experte in seinem Prozess und bestimmt wie weit und tief er in seine Verletzlichkeit gehen möchte. Das ist bei den Power-Sellern ganz anders, Stichwort Ausnutzen einer schwachen Situation und einer tiefgreifenden Verzweiflung, die uns an jeden Grashalm klammern lässt. Power-Seller nehmen auch Klienten an, die eigentlich in eine Therapie gehören. Und das ist alles unseriös und erst recht kreuzgefährlich und wir bewegen uns hier sogar in einer rechtlichen Grauzone.

Ich helfe den Menschen, dieses wiedergefundene Ich aus ihrer persönlichen Lebensgeschichte heraus in den digitalen Raum zu tragen – aber ein Ponyhof ist die Zusammenarbeit mit mir dann auch nicht richtig: Denn auf LinkedIn-Profilen, Websiten, Instagram-Stories und Co. einen authentischen weil verletzlichen Auftritt à la Brené Brown hinzulegen, das ist wirklich höhere Kunst, weil es einfach sehr viel Mut auf der Seite unserer Kunden erfordert und von mir ein extrem hohes Maß an Empathie und Kreativität. Jedenfalls: Stefanie räumt das Seelenfeld gründlich aus der Tiefe auf, ich kann dann ergänzend auf dieser Basis den Plot herausfinden und die Urgeschichte herauskristallisieren. Das Schönste an unserer Zusammenarbeit ist: Wir sind gleich und doch so schön anders.

Meine Crew ist extrem unsichtbar und das ist auch der Sinn der Sache

Als ich in die Selbstständigkeit gestartet bin, war es von Beginn an mein Traum, ein Partner-Netzwerk zu haben, auf das ich mich verlassen kann. Ich wusste von Anfang an: Ich brauche jemanden für Grafik-Design, für Web-Design und jemanden, der sich mit Datenanalyse auskennt. Daher habe ich über die sozialen Medien bewusst keine kundenzentrierte Kommunikation gemacht, sondern so knalltütig-ironisch, wie ich glaube, von meinen alten Kollegen in der Agentur sehr gemocht worden zu sein. Ich hatte schon erste Aufträge und brauchte daher kein Sales zu machen. Und wisst ihr, was passiert ist? Also erstens ist meine Strategie aufgegangen und ich habe ein tolles Team um mich herum versammelt (Jahreshighlight 2020!) , aber zweitens: Es sind auf diese Weise eigentlich alle Aufträge reingekommen. Das Feedback war immer: „Ich finde es so cool, was du machst, es ist so authentisch!“, „Ich kenne niemanden mit so coolen Instagram-Stories wie die von Teresa.“ Und eigentlich bin ich halt nur gnadenlos ehrlich und erzähle viel. Storytelling halt! Jedenfalls ist das Team, mit dem ich arbeite, einfach grandios, weil es alles hochqualifizierte, aber stille Profis sind. Gemeinsam mit Stefanie habe ich an ihrer Website gearbeitet – ab Mitte Januar ist aber erst die Version online, die ich für sie konzipiert und mit meinem Dream Team namens Grafik-Design-Profi Isis-Helena Visscher und Webdesign-Profi Marc Leyendecker zusammen erstellt habe. Denn wenn ich eins 2020 im digitalen Raum gelernt habe: Ich will einfach niemanden mehr auf den Leim gehen, der nicht absoluter Profi in seinem Gebiet ist. Und ja, ich bin altmodisch. Ich will Zertifikate und Blut, Schweiß und Tränen sehen von den Menschen, mit denen ich arbeite.

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Wir müssen mehr durch Wälder rennen https://resiresolut.de/2021/05/29/wir-muessen-mehr-durch-waelder-rennen/ https://resiresolut.de/2021/05/29/wir-muessen-mehr-durch-waelder-rennen/#respond Sat, 29 May 2021 08:22:17 +0000 http://development.resiresolut.de/?p=339 Zumindest wenn wir herausfinden wollen, was innere Weisheit ist.

Mit rennen meine ich wegrennen. Ja genau, ich meine diese Forrest-Gump-Nummer. Der ist aus einem Impuls einfach losgelaufen und irgendwie ist da was draus geworden, ohne dass er es beabsichtigt hat. Und genau da will ich dich, geneigter Leser, mit hinnehmen. Zu dem Punkt, an dem wir einem Impuls folgen, ohne nachzudenken und ohne zu reflektieren. Denn wir wissen, was richtig ist. Manche Leute nennen es Bauchgefühl, Intuition, innere Weisheit. Völlig Wurscht, wie wir das nennen, es ist einfach die verdammte Wahrheit. 

Unser System ist auf rationale, optimierende Symptombekämpfung ausgelegt. Wir haben jeglichen Bezug zu unserer Intuition abtrainiert bekommen und lassen uns von Verleugnung, Zynismus und Depression ausbremsen. Aber so, liebe Leute, werden die berühmt-berüchtigten Herausforderungen der Digitalen Transformation niemals bestehen. Ich bin daher sehr froh, dass mich das Schicksal oder wer auch immer zum ULAB geführt hat, über dessen Geschichte ich einen eigenen Blogartikel verfasst habe. Kurz zusammengefasst ist es also ein globales Netzwerk aus über 400 Teams, die lokal vor Ort etwas ändern wollen. Unser Team #transform2growUth hat sich nichts Geringeres vorgenommen, als die Schulbildung zu transformieren und Kinder stark zu machen.

Ich will also gar nicht darauf hinaus, dass wir wirklich durch Wälder rennen. Denn am Ende machen wir uns noch lächerlich, wenn wir gedankenversunken auf unserer Terrasse hocken, Löcher in den Boden starren und dann plötzlich losrennen. Aber dieses Ding, was wir vielleicht am ehesten innere Stimme nennen, wird uns vielleicht andere Sachen sagen, die wir tun sollen. Und die finden wir einfach nicht in diesem Ding namens Alltag. Vielleicht sollten wir klein anfangen und die alte Freundin anrufen, von der wir so lange nichts gehört haben. Oder einer besonderen Person einen Brief schreiben (ja ok, ich lass mich mal auf E-Mail runterhandeln, keineswegs aber auf eine lausige WhatsApp). Muttern besuchen, alte Geschichten anhören, auch wenn wir den inneren Drang verspüren, das Handy mal kurz aus der Hose zu fingern und zu schauen, was bei Instagram, twitter oder LinkedIn so geht.

Vielleicht sollten wir den Job wechseln oder gleich das ganze Leben. Wir haben nichts zu verlieren, außer unsere Angst. Und im besten Fall gewinnen wir sogar irgendwas. Und wenn es die tiefschürfende Erkenntnis ist, wie schön es doch eigentlich war, diese Brief, ähm, diese E-Mail geschrieben zu haben, nämlich weil Schreiben immer Selbstvergewisserung ist. Ich renne also gerne durch Wortwälder, aber vielleicht hast du noch andere Sehnsuchtsorte, denen du mal einen Besuch abstatten solltest und wer weiß: Vielleicht entdeckst du genau das, was dich wirklich anfrisst. Aber dann mach’ dich auch los, suche dir Leute, denn Veränderung geht nur mit einem Team. Und wenn ihr irgendwas systemmäßiges ändern wollt, dann bewerbt euch halt einfach beim ULAB. Tut auch nicht weh. 

Du kannst es letzten Endes mit Fokus, Mindfulness, Selbstoptimierung labeln, was ich versuche, hier zu erklären: Es ist völlig egal. Wir müssen einfach mehr durch Wälder rennen.

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Was zum Teufel ist dieses ULAB, das MIT und wieso muss ich das wissen? https://resiresolut.de/2021/05/29/was-zum-teufel-ist-dieses-ulab-das-mit-und-wieso-muss-ich-das-wissen/ https://resiresolut.de/2021/05/29/was-zum-teufel-ist-dieses-ulab-das-mit-und-wieso-muss-ich-das-wissen/#respond Sat, 29 May 2021 08:13:53 +0000 http://development.resiresolut.de/?p=332 Diese Woche geht es los: Das ULAB 2x. Für mich persönlich ist das ein heller Wahnsinn das Ganze. Ihr müsst euch das als eine Art digitales Labor vorstellen. Digital, weil es global ist und weil da keine Chemiefläschchen munter vor sich blubbern – und dennoch machen wir so etwas wie wirtschaftliche Wissenschaft und schärfen unser Bewusstsein, so mit Achtsamkeit und so. Weil das nämlich wichtig ist, also dieses Achtsamkeit-Ding. Da kannste als zynischer Zeitgeist ruhig drüber lästern, denn wahrscheinlich bist du noch nie durch den Wald gerannt, ganz allein bei dir selbst und hast auf einmal eine tiefe Einsicht gehabt. Das würde mir dann sehr leid tun für dich, wenn du dich immer von deiner Alltagslogik behindern lässt. Musste echt auch mal fallen lassen! Und dich selbst auch.

Jedenfalls nehmen global insgesamt über 400 Teams teil und alle wollen mit ihren Projekten irgendwas sehr echt und tiefgreifend verändern. Forschen wir? Ja, gewissermaßen machen wir so etwas wie Action Research, man kann es auch Aktionsforschung nennen. Das wurde von einem Typen namens Kurt Lewin begründet, der musste in den 1930ern in die USA flüchten, nachdem die Nazis hier in Deutschland die Macht übernommen hatten. Und wo ging er hin? Nach Massachusetts, dort, wo das MIT ist. Das MIT ist das Massachusetts Institute of Technology und ich zitiere hier gern Wikipedia, um dir den Kern vorzustellen: „Das MIT wurde 1861 gegründet und ist eine private, nicht-konfessionelle Technische Universität, die als erste Chemieingenieure ausbildete und die Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaften in die Ingenieurausbildung einbezog.

Aha. Ich würde mal sagen: Alles richtig gemacht. Denn dass die Spezialisierung auf immer mehr und mehr Teilbereiche völlig blödsinnig weil praxisuntauglich ist, das haben ja schon die alten Griechen gewusst und sich am liebsten mit allem gleichzeitig beschäftigt. Die Institutionalisierung der Wissenschaft im 19. Jahrhundert ist eh voll nervig, aber ich kann über das 19. Jahrhundert eh nur permanent die Augen rollen. Da ging alles rückwärts, wieder Monarchie eingeführt, die Künstler haben nur das gemacht, was sie schon immer gemacht und und und. Da war man im 18. mit der Aufklärung, diversen Unabhängigkeitserklärungen usw. schon echt weiter. Aber da muss ich wohl nochmal extra drüber schreibend nachdenken.

JEDENFALLS: Es geht beim ULAB im Grunde genommen darum, dass man Hypothesen in der Praxis überprüft und nicht der Wissenschaft in ihrem Elfenbeinturm überlässt, ich meine so das Rumphilosophieren und Grübeln: „Hm, wie könnten wir wohl die Schulbildung verbessern? Ach am besten, wir schicken mal den HiWi los, der recherchiert erstmal eine ganze Weile, dann schreiben wir mal einen schönen wissenschaftlichen Beitrag, den zwar keiner liest, aber ist egal, denn schließlich brauche ich was in meiner Bibliographie-Liste.“ Wer hier die Ironie verstanden hat, weiß, warum ich der Wissenschaft in Reinkultur den Rücken zugewandt habe. Und das trotz Stipendium! An alle Noch-Wissenschaftler da draußen: Habt mich bitte trotzdem gern.

Also hat mir das Schicksal oder sonstwer das ULAB vor die Füße geschmissen. Ich wurde gefragt, ob ich nicht bei einem Team mitmachen wolle, was das Schulsystem ändert. Okay, dachte ich mir, ich bin ja eh grad im Sabbatjahr, ein bißchen verrückt und habe nichts vor, also gehe ich doch mal raus und mache wenigstens ein bißchen soziale Feldforschung, die auch was bringt. Also hoffentlich.

Denn das, was Otto Scharmer – der Begründer des ULAB – am MIT (wir erinnern uns) jahrelang erforscht und warum er dann das Presencing Institute gegründet hat, ist so ziemlich exakt das, worüber ich jahrelang in der Literaturwissenschaft über und durch Robert Musil – der weltbeste Autor und Philosoph, isso – erkannt habe. Nachdem ich meine Doktorarbeit in den Geisteswissenschaften abgebrochen hatte, um die Wissenschaft gegen die Wirtschaft zu tauschen, hatte ich immer das Gefühl: Du bist kein BWL-er, du hast kein Marketing studiert usw. usf. Und jetzt taucht da dieses global angelegte ULAB auf, von dem alle Welt – zu Recht! – schwer begeistert ist und was man gar nicht in zwei Worten zusammen fassen kann, weswegen ich ja das hier die so Witzgig-charmant erkläre.

Er verbindet mit seiner Theory U in der guten Tradition des MIT zwei Welten, konkret: was die Intellektuellen schon seit Jahrhunderten untersuchen und einfach wissen, wird pragmatisch, ich würde sagen: umsetzbar gemacht, um die digitale, aber auch soziale Transformation bewältigen zu können. Vor dem Hintergrund also, dass es meine heimliche Vision ist, die Geisteswissenschaften mit den Ingenieurswissenschaften im allerweitesten Sinn jeweils zu verheiraten, kann ich hier leider nur von einer schicksalhaften Fügung sprechen. Es stimmt also: Du musst nur deiner inneren Weisheit folgen, deinen Weg gehen und du findest das soziale Feld, was du suchst. Definitiv ist hier immer mal wieder auftauchende Gänsehaut angesagt, je mehr ich mich mit beschäftige!

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